Aktuel Ernahrungsmed 2016; 41(05): 362-369
DOI: 10.1055/s-0042-116652
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ernährungssituation älterer Menschen im deutschsprachigen Raum

Nutritional Situation of Older Adults Living in German Speaking Countries
E. Kiesswetter
Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
,
C. C. Sieber
Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
,
D. Volkert
Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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Publication Date:
07 November 2016 (online)

Zusammenfassung

Die Bevölkerungsgruppe der Senioren zeigt, bezogen auf Gesundheitszustand und funktionelle Ressourcen, ein sehr heterogenes Erscheinungsbild. Entsprechend unterscheidet sich auch die Ernährungssituation einzelner Seniorengruppen. In dieser Übersichtsdarstellung werden deskriptive Ernährungsdaten von 4 Subpopulationen älterer Menschen, die sich in ihren Lebenssituationen („Settings“) unterscheiden, gegenübergestellt: selbstständig zu Hause lebende Senioren, häuslich gepflegte Senioren, Pflegeheimbewohner und geriatrische Patienten. Der Fokus liegt dabei auf Prävalenzraten von Mangelernährung, Übergewicht und Adipositas, dem Vorkommen von Ernährungsproblemen (Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckbeschwerden, Hilfebedarf bei der Ernährung) und der Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen.

Die Prävalenz von Mangelernährung nimmt systematisch mit steigendem Morbiditätsniveau der Subpopulationen zu; die Raten von Übergewicht und Adipositas sinken entsprechend. Bezüglich des Vorkommens von Ernährungsproblemen zeigen sich keine eindeutigen Trends, was zum Teil auf eine uneinheitliche Erhebungsmethodik zurückzuführen ist. Zur Flüssigkeitsversorgung von Senioren liegen für den deutschsprachigen Raum zu wenige aussagekräftige Daten vor, um Vergleiche zwischen den einzelnen „Settings“ vornehmen zu können.

Die zahlreichen Untersuchungen der letzten 15 Jahre haben zu einem deutlichen Wissenszuwachs hinsichtlich der Ernährungssituation älterer Menschen im deutschsprachigen Raum geführt. Sie zeigen den Bedarf auf, den Ernährungszustand älterer Menschen in der täglichen Behandlungsroutine zu berücksichtigen. Zukünftige Untersuchungen der Ernährungssituation von Senioren sollten darauf abzielen, unterschiedliche Settings systematisch zu vergleichen, um spezifische Risikoprofile einzelner Seniorengruppen zu identifizieren und gezielte Präventions- und Interventionsmaßnahmen ableiten zu können.

Abstract

The older population shows heterogeneity regarding health status and functional resources. Correspondingly, the nutritional situation differs between selected subgroups of older adults. This overview contrasts descriptive data on nutrition of four subgroups of older adults living in different settings (independent living older adults, recipients of home care, nursing home residents, and geriatric patients). The work focuses on prevalence data of malnutrition, overweight and obesity, the frequency of nutritional problems (loss of appetite, chewing or swallowing disorders, needing help with eating), and the fluid intake of older people.

The prevalence of malnutrition systematically increases with the morbidity level of the study population, correspondingly the rates of overweight and obesity decrease. No corresponding trends were visible regarding nutritional problems, as studies are inhomogeneous concerning methodological approaches. Regarding the fluid intake of older people in the German speaking countries insufficient data are available to make a comparison between different settings.

The numerous studies in the past fifteen years have advanced the knowledge about the nutritional situation of older adults living in German speaking countries. The studies indicate the need to consider the nutritional status of older adults in the daily treatment routines. Future studies on the nutritional situation of older adults should aim at systematic comparisons of settings to derive specific risk profiles of single subgroups of older people in order to establish adequate prevention and intervention strategies.