Aktuelle Ernährungsmedizin 2008; 33(1): 21-25
DOI: 10.1055/s-2007-986324
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Pharmakologische Ansätze der Adipositastherapie

Pharmacotherapy of ObesityK.-M.  Derwahl1
  • 1Diabetes- und Hormonzentrum, Klinik für Innere Medizin, St. Hedwig Kliniken GmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité, Universitätsmedizin Berlin
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Publikationsdatum:
25. Januar 2008 (online)

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Zusammenfassung

Lifestyle-Modifikationen (Diät, Bewegungstherapie) stellen die Basis einer jeden Adipositastherapie dar. Die Indikation für eine zusätzliche (nicht alternative) Pharmakotherapie wird nach den übereinstimmenden Empfehlungen der nationalen und internationalen Fachgesellschaften gestellt bei a) Patienten mit einem BMI ≥ 30, die mit dem Basisprogramm keinen ausreichenden Erfolg hatten, d. h. keine Gewichtsabnahme von > 5 % innerhalb von 3 - 6 Monaten. b) Patienten ab einem BMI > 27 mit zusätzlichen gravierenden Risikofaktoren und/oder Komorbiditäten, bei denen die Basistherapie nicht erfolgreich war. Für die Adipositastherapie zugelassen und empfohlen sind: der Lipaseinhibitor Orlistat, der selektive CB1-Rezeptorantagonist Rimonabant und der selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer Sibutramin. Bei der Auswahl des Medikamentes sind insbesondere die Nebenwirkungen zu beachten: Sibutramin führt zu einer Erhöhung des diastolischen und systolischen Blutdrucks, bei Orlistat kann die Compliance der Patienten durch den nicht unerheblichen Meteorismus eingeschränkt sein und Rimonabant soll nicht eingesetzt werden bei Depressionen. Bei adipösen Diabetikern ist das orale Antidiabetikum Metformin indiziert, das nicht nur die Insulinresistenz mindert, sondern auch eine geringe gewichtssenkende Wirkung aufweist. Kürzlich zugelassen wurde ferner zur Diabetesbehandlung das GLP1-Analogon Exenatide, das über eine Hemmung der Magenentleerung ebenfalls das Gewicht reduziert. Amphitamine sowie die Hormone Thyroxin und Wachstumshormon sind wegen der im Einzelfall nicht abzuschätzenden Nebenwirkungen nicht indiziert und auch nicht zur Gewichtsreduktion zugelassen. Weitere, vorwiegend zentral ansetzende Medikamente zur Behandlung der Adipositas werden zurzeit im Rahmen von klinischen Studien untersucht.

Abstract

Lifestyle modification (reduced energy intake, physical activity) is the first goal in the management of obesity. Pharmacotherapy adjunct to lifestyle modification (not alternative) is indicated for patients with a) BMI ≥ 30 kg/m2, who have not lost at least 5 % of their weight by 3 - 6 month b) BMI ≥ 27 kg/m2 and additional risk factors and/or co-morbilities if lifestyle modification was not successful. Drugs that are recommended for treatment of obesity include orlistat, an inhibitor of lipase, rimonabant, a selective CB1-receptor antagonist and sibutramine, a selective inhibitor for the re-uptake of norepinephrine and serotonin. When selecting a drug for treatment of obesity, side-effects have to be considered: sibutramine increases systolic and diastolic blood pressure. Patients treated with orlistat may suffer from gastrointestinal symptoms (meteorism). Rimonabant is not indicated in patients with depressions. Obese diabetics should be treated with metformin that decreases insulin resistence and slightly reduces the body weight. Exenatide, a GLP-1 analogue, is now available for treatment of diabetes. It delays gastric emptying and those reduces weight. Due to severe side-effects other drugs including amphitamines, thyroxine and growth hormone are neither indicated nor recommended for treatment of obesity. The pipeline for development of drugs for overweight is very rich. Some of these drugs are currently investigated in phase 2 and phase 3 studies.

Literatur

Prof. Dr. K.-M. Derwahl

Diabetes- und Hormonzentrum, Klinik für Innere Medizin, St. Hedwig Kliniken GmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité, Universitätsmedizin Berlin

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