Gesundheitswesen 2016; 78(11): 695-707
DOI: 10.1055/s-0035-1555946
Übersichtsarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Stillhäufigkeit und Stilldauer in Deutschland – eine systematische Übersicht

Breastfeeding Rates and Duration in Germany – A Systematic Review
A. Weissenborn
1  Bundesinstitut für Risikobewertung, Lebensmittelsicherheit, Berlin
,
M. Abou-Dakn
2  Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, St. Joseph-Krankenhaus, Berlin
,
R. Bergmann
3  Zentrum für Frauen, Kinder- und Jugendmedizin mit Perinatalzentrum, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
D. Both
4  La Leche Liga e. V., Deutschland, Füssen-Weißensee
,
R. Gresens
5  Deutscher Hebammenverband e. V., Deutschland, Hamburg
,
B. Hahn
6  Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e. V., Deutschland, Neuss
,
A. Hecker
1  Bundesinstitut für Risikobewertung, Lebensmittelsicherheit, Berlin
,
B. Koletzko
7  Dr. von Haunersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität München, München
,
M. Krawinkel
8  Institut für Ernährungswissenschaft, Justus-Liebig-Universität, Giessen
,
D. Kroll
9  Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., Deutschland, Berlin
,
E. Rouw
10  Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen e.V., Deutschland, Bühl
,
M. Scheele
11  Bundesverband der Frauenärzte e.V., Deutschland, Hamburg
,
U. Schwegler
12  LGL, Deutschland
,
E. Sievers
13  Akademie für öffentliches Gesundheitswesen, Sozialpädiatrie und KJGD, Düsseldorf
,
E. Sporleder
14  Verband Europäischer Laktationsberaterinnen e. V., Deutschland, Hannover
,
S. Springer
15  Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V., Deutschland, Leipzig
,
K. Vetter
16  AG Hebammenwissenschaft, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
,
A. Wöckel
17  Universitätsklinikum Ulm, Universitäts-Brustzentrum Ulm, Frauenklinik, Ulm
,
M. Kersting
18  Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund
› Author Affiliations
Further Information

Korrespondenzadresse

Dr. rer. medic. Anke Weissenborn
Bundesinstitut für Risikobewertung
Lebensmittelsicherheit
Max-Dohrn-Straße 8-10
10589 Berlin

Publication History

Publication Date:
03 September 2015 (eFirst)

 

Abstract

Ziel: Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, 20 Jahre nach Einrichtung der Nationalen Stillkommission anhand der in Deutschland publizierten Stilldaten einen Einblick in die Entwicklung des Stillverhaltens zu geben.

Methodik: Zur Identifizierung relevanter Publikationen wurde eine umfassende Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed und Web of Science mit den Suchbegriffen „breast feeding" oder „breastfeeding“ in Kombination mit „Germany“ durchgeführt. Der Publikationszeitraum wurde dafür auf die Jahre 1995–2014 begrenzt.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 35 Studien mit Daten zum Stillen für die Geburtsjahrgänge 1990–2012 erfasst. Die Daten stammen mehrheitlich aus regionalen oder lokalen Erhebungen und sind überwiegend retrospektiv erhoben worden. Etwa 60% der Studien waren mit dem primären Ziel durchgeführt worden, Daten zum Stillen bzw. zur Ernährung im Säuglingsalter zu erheben. Trotz hoher Stillraten zu Beginn (72–97%) ist nach wie vor in den ersten 2 Monaten der stärkste Abfall der (Voll-)Stillraten zu verzeichnen, so dass bis zum Alter von 6 Monaten nur noch etwa 50% der Säuglinge überhaupt gestillt werden.

Schlussfolgerung: Verstärkte Stillfördermaßnahmen und unter anderem der Ausbau Früher Hilfen zum Stillen sind notwendig, um den Stillerfolg in Deutschland nachhaltig zu sichern. Mit Blick auf die Defizite bei der Stilldatenerhebung erscheint die Errichtung eines effizienten standardisierten Stillmonitorings in Deutschland unverzichtbar.


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Abstract

Aim: 20 years after establishment of the National Breastfeeding Committee, the present work, based on published data on breastfeeding, is aimed at providing insight into the development of breastfeeding behaviour in Germany.

Methods: To identify relevant publications, a comprehensive literature search was conducted in PubMed and Web of Science using the search terms “breast feeding” or “breastfeeding” in combination with “Germany”. The publication period was limited to the period 1995–2014.

Results: A total of 35 studies with data on breastfeeding for the birth cohorts of 1990–2012 were identified. Most of the data had been collected in regional or local surveys, often retrospectively. About 60% of the studies had been conducted with the primary aim of collecting data on breastfeeding or infant nutrition. Over the past 2 decades, breastfeeding rates were always relatively high at the beginning (72–97%). However, they declined significantly within the first 2 months, and by the age of 6 months, only about 50% of infants were still breastfed.

Conclusion: Breastfeeding support and early assistance should be offered to a greater extent in order to achieve sustainable improvement of breastfeeding frequency and duration in Germany. Regarding the quality of data collected on breastfeeding, it seems crucial to implement standardised approaches to monitor breastfeeding in Germany.


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Einleitung

Stillen ist für Mutter und Kind mit positiven gesundheitlichen Effekten assoziiert und trägt zur Förderung der emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind bei [1] [2]. Dies wurde von der 45. Weltgesundheitsversammlung zu Beginn der 1990er Jahre zum Anlass genommen, die Innocenti Deklaration „zum Schutz, zur Förderung und Unterstützung des Stillens“ zu verabschieden. Eines der formulierten Ziele, bis zum Jahr 1995 in allen Ländern Stillkoordinatoren zu berufen und Stillkommissionen einzurichten, wurde in Deutschland 1994 durch die Einrichtung der Nationalen Stillkommission (NSK) umgesetzt [3]. Die Gründung der NSK erfolgte mit dem Ziel, das Stillen und die Entwicklung einer neuen Stillkultur in Deutschland zu fördern und dazu beizutragen, dass Stillen zur normalen Ernährung für Säuglinge wird. Dieses soll durch Beratung der Bundesregierung, Herausgabe von Richtlinien und Empfehlungen und Unterstützung von Initiativen zur Beseitigung von Stillhindernissen erreicht – und der Erfolg der Arbeit durch Datenerhebungen und Berichte dokumentiert werden [3]. Seit ihrer Gründung hat die NSK gemeinsam mit den in der Kommission vertretenen Berufsverbänden eine Reihe von Empfehlungen zu Themen rund um das Stillen herausgegeben (z. B. [4]). Außerdem spricht sie sich seit vielen Jahren für die Einrichtung eines Stillmonitorings aus und hat dafür im Jahr 2009 ein Konzept veröffentlicht [5]. Allerdings wurden bis heute in Deutschland keine systematischen Monitoring- und Evaluierungsstudien zur Bewertung der Stillförderung durchgeführt. Es gibt aber eine Reihe von Studien, in denen teilweise mit anderer Zielsetzung Stilldaten erhoben wurden. Ziel dieser Arbeit war es daher, 20 Jahre nach Einrichtung der NSK auf der Basis publizierter Stilldaten einen Einblick in die Entwicklung des Stillverhaltens in Deutschland zu geben.


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Methoden

Zur Identifizierung relevanter Publikationen wurde in den Datenbanken PubMed und Web of Science im Publikationszeitraum 1995–2014 eine umfassende Literaturrecherche mit den Suchbegriffen „breast feeding“ oder „breastfeeding“ in Kombination mit „Germany“ durchgeführt. Es wurden nur Studien einbezogen, in denen mit primärer oder sekundärer Zielsetzung Daten zum Stillen (Stillbeginn, Dauer und/oder Intensität des Stillens) erhoben worden waren. Studien, in denen lediglich Einstellungen oder Kenntnisse zum Stillen oder das Stillverhalten bei Frühgeborenen oder kranken Säuglingen untersucht wurden, blieben unberücksichtigt. Die Referenzlisten der identifizierten Publikationen wurden zudem nach weiteren potenziell relevanten Artikeln durchsucht. Da die genannten Datenbanken ausschließlich Publikationen in englischer Sprache enthalten, wurde zusätzlich eine Internetrecherche mit deutschen Suchbegriffen durchgeführt, um auch Berichte von Gesundheitsämtern oder anderen Institutionen des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie Abschlussarbeiten wie z. B. Master- oder Doktorarbeiten zu erfassen. Die Studiencharakteristika und die aus den Studien extrahierten Daten zum Stillen wurden tabellarisch zusammengestellt und die Gesamt- und Vollstillraten für die Altersstufen 2, 4 und 6 Monate zusätzlich grafisch dargestellt.


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Ergebnisse

Studien zum Stillverhalten

Durch Recherche in den beiden medizinischen/wissenschaftlichen Datenbanken wurden 638 Treffer erzielt, von denen nach Durchsicht der Titel und Abstracts 67 Publikationen im Volltext bestellt und schließlich 27 Publikationen in die Auswertung einbezogen wurden. Nach Durchsicht der Referenzlisten der Artikel und durch Recherche im Internet wurden 8 weitere Erhebungen identifiziert, sodass insgesamt 35 Publikationen mit Daten zum Stillen für die Geburtsjahrgänge 1990–2012 einbezogen wurden [6] [7] [8] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39] [40]. Etwas mehr als die Hälfte der Studien (57%) war mit dem primären Ziel durchgeführt worden, Daten zum Stillen bzw. zur Ernährung im Säuglingsalter zu erheben; in den anderen Studien war die Erhebung des Stillverhaltens mit anderen Zielsetzungen erfolgt. Die erfassten Daten stammen überwiegend aus regionalen oder lokalen Erhebungen. Vier bundesweite Erhebungen wurden identifiziert. Davon war eine prospektiv, von der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahres [6], die anderen retrospektiv, im Rahmen des Kinder und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) [28] [29] sowie im Rahmen einer online-Verbraucherbefragung [25] durchgeführt worden. Nur in der DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) werden systematisch jährlich neue Studienteilnehmer rekrutiert, bei denen unter anderem Stilldaten prospektiv erhoben werden, wodurch die Untersuchung längerfristiger Trends ermöglicht wird [30] [31].

In der Mehrheit der identifizierten Studien (n=19; 54%) erfolgte die Datenerhebung retrospektiv, wobei die Erinnerungszeiträume nur in 3 Untersuchungen [19] [20] [21] über 4–6 bzw. 12 Monate zurückreichten; in 5 der Studien waren es bis zu 3 Jahre [20] [25] [37] [38] [39], in 9 zwischen 5 und 7 Jahren [11] [15] [26] [27] [29] [32] [34] [36] [40] und in 2 weiteren 2–9 bzw. 13 Jahre [28] [33]. In 2 Querschnittsstudien [8] [18] sowie in sämtlichen Arbeiten mit prospektivem Design (n=12; 34%) wurden 24-Stunden-Recalls zur Datenerhebung verwendet. In 2 Fällen fehlten Informationen zum Studiendesign, da die Publikationen nicht im Original auffindbar waren und die Daten daher einer Sekundärquelle entnommen wurden [13] [14]. Nur 2 Erhebungen im Rahmen des KiGGS wurden mit repräsentativen Stichproben durchgeführt, aber mit retrospektiven Erhebungsmethoden [28] [29]. Weiterhin wurde in 2 Publikationen explizit darauf hingewiesen, dass die Rekrutierung der Mutter-Kind-Paare in babyfreundlichen Krankenhäusern durchgeführt wurde [19] [20]. In einem anderen Fall fand die Datenerhebung im Anschluss an eine Schulung des Personals von Geburtskliniken und von Nachsorgehebammen zum Thema Stillen/Stillmanagement statt [22].

In der Mehrzahl der Arbeiten wurde zwischen ausschließlichem und/oder vollem und jeglichem Stillen differenziert. Die Differenzierung erfolgte jedoch nicht immer entsprechend den Definitionen von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und NSK [9] [10]: ausschließliches Stillen=Säugling erhält nur Muttermilch und keine anderen Flüssigkeiten oder Nahrung (nur Tropfen oder med. Sirup); überwiegendes Stillen=Säugling erhält Muttermilch und nicht nahrhafte Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee; volles Stillen=Summe aus ausschließlichem und überwiegendem Stillen. Da zudem bekannt ist, dass die Erfragung der Stillintensität mit Unsicherheiten behaftet sein kann [41] [42] [43], wurden Daten zum ausschließlichen Stillen in jedem Fall als „volles Stillen“ gewertet und differenzierte Angaben zu ausschließlichem und überwiegendem Stillen zu „vollem Stillen“ zusammengefasst ([Tab. 1]; [Abb. 1]–[3]).

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Abb. 1 Stillraten im Alter von 2 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).
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Abb. 2 Stillraten im Alter von 4 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).
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Abb. 3 Volles Stillen im Alter von 6 Monaten (Geburtsjahrgänge 1990–2009/10).

Tab. 1 Übersicht über Studien, in denen Daten zum Stillen erhoben wurden (Geburtsjahrgänge 1990–2012).

Autoren

Erhebungsjahr bzw. Geburtsjahr

Studiendesign

Probandenzahl

Studienort/-e bzw. -region(-en)

Studienziel

Ergebnisse

Soto-Ramirez et al., 2008 [11]

Erhebungsjahr: 1994/95
Geburtsjahre: 1989/90

retrospektiv bei Müttern, deren Kinder im Schulalter waren

575 Kinder

Hessen

Zusammenhang zwischen der Verwendung von oralen Kontrazeptiva und Stilldauer

gestillt: 81,4%
2 Monate pp: ca. 45%
4 Monate pp: ca. 35%
6 Monate pp: ca. 20%
9 Monate pp: ca. 12%

Bergmann et al., 1994 [12]

Geburtsjahr: 1990

prospektiv; 24-h-Recalls im Alter von 1, 3, 6 und 12 Monaten

1 314 Säuglinge, z. T. mit erhöhtem Allergierisiko

6 Entbindungskliniken in 5 Städten (Berlin, Düsseldorf, Freiburg, Mainz, München)

Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr

(Volles) Stillen: zu Beginn: (49) 92%
1 Mo pp: (39) 75%
3 Mo pp: (28) 57%
6 Mo pp: (4) 38%
12 Mo pp: (0) 8%

Nolting et al., 1992
zit. in: Tietze et al., 1995 [13]

Geburtsjahr: 1992

prospektiv ?

?

?

Befragung zur Schlaflage und anderen Einflussfaktoren auf plötzlichen Kindstod

Stillen insgesamt:
1 Mo pp: 76%
2 Mo pp: 68%
3 Mo pp: 57%
4 Mo pp: 45%
5 Mo pp: 37%
6 Mo pp: 35%
7 Mo pp: 26%

Lange-Lentz, 1995
zit. in: Tietze et al., 1995 [14]

Geburtsjahr: 1994 ?

prospektiv ?

?

?

Ernährungsweise des Säuglings

Stillen insgesamt: zu Beginn: 89%
1 Mo pp: 82%
2 Mo pp: 72%
3 Mo pp: 64%
4 Mo pp: 57%
5 Mo pp: 53%
6 Mo pp: 45%
7 Mo pp: 32%
8 Mo pp: 24%

Kersting und Dulon, 2002 [6]

Geburtsjahre: 1997/98

prospektiv; 24-h-Recalls zu verschiedenen Zeitpunkten im 1. Lebensjahr: 14 Tage pp (telefonisch) sowie am Ende des 2., 4., 6., 9. und 12. Monats (schriftlich)

1 717

bundesweit; 177 Kliniken

Stillerfahrungen in der Klinik und Ernährung im ersten Lebensjahr; ausschließliches/volles und teilweises Stillen

zu Beginn gestillt 91%
(Volles) Stillen:
5 Tage pp: (78) 86%
14 Tage pp: (75) 85%
2 Mo pp: (59) 70%
4 Mo pp: (44) 59%
6 Mo pp: (13) 48%
12 Mo pp: (<1) 13%

Toschke et al., 2004 [15]

Geburtsjahre: 2001/02

retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

4 289 Kinder
Alter: 5–6 Jahre

Bayern (Stadt Ingolstadt, Miesbach, Schwandorf, Kitzingen, Augsburg, Günzburg)

Identifizierung der stärksten Einflussfaktoren auf Übergewicht zum Zeitpunkt des Schulbeginns

gestillt: 77,2%
≥1 Monat: 40,1%

Weißenborn, 2009 [8]

Geburtsjahre: 2004/05

prospektiv; persönliche Befragung in den ersten Tagen nach der Geburt; schriftliche Befragungen 2, 4 und 6 Monate nach der Geburt mit 24 h-Recall

807

2 Geburtskliniken in Berlin

Stillfrequenz, einschließlich Stillintensitäten, in den ersten 6 Monaten sowie Einflussfaktoren auf Stillverhalten

(Volles) Stillen: zu Beginn: (86,4) 97%
2 Monate pp: (59,9) 73,1%
4 Monate pp: (48,9) 64,1%
6 Monate pp: (18,7) 57,0%

Kohlhuber et al., 2008 [7]

Geburtsjahre: 2005/06

prospektiv; persönliche Befragung in den ersten Tagen nach der Geburt sowie schriftliche Befragung 2, 4 und 6 Monate nach der Geburt mit 24 h-Recall

3 427

141 Geburtskliniken in Bayern

Stillfrequenz in den ersten 6 Monaten sowie Einflussfaktoren auf Stillverhalten

Zu Beginn gestillt: 89,5%
(Volles) Stillen:
2 Monate pp: (60,2) 69,7%
4 Monate pp: (51,3) 60,6%
6 Monate pp: (25,5) 51,6%

Walburg et al., 2010 [16]

Geburtsjahr: 2006

prospektiv, direkt nach der Geburt und nach 3 Monaten

80

Hamburg, Köln, Bochum, Aachen, Kaiserslautern, Berlin, Düsseldorf

Vergleich des Stillverhaltens in Deutschland und Frankreich

Zu Beginn gestillt: 96%
3 Monate pp: 86%

Rasenack et al., 2012 [17]

Geburtsjahre: 2007/08

prospektiv; persönliche Befragung am Tag nach der Geburt; weitere telefonische Befragungen nach 3, 6 und 12 Monaten

443

2 Geburtskliniken und 1 Geburtshaus in Freiburg

Einflussfaktoren auf den Stillbeginn und die Stilldauer

(Volles) Stillen: zu Beginn: (78,8) 92%
3 Monate pp: (68,7) 74%
6 Monate pp: (16,7) 61%
12 Monate pp: (0) 28%

Weißenborn, 2009 [8]

Geburtsjahre: 2005/06

Querschnittserhebung: persönliche standardisierte Befragung zu 4 Zeitpunkten (U3–U6) mittels 24 h-Recall

2 141

119 Kinderarztpraxen in Berlin

Stillfrequenz, einschließlich Stillintensitäten, im ersten Lebensjahr

(Volles) Stillen:
U3 (4–6 Wochen pp): (52) 80%
U4 (3–4 Mon. pp): (46,5) 66%
U5 (6–7 Mon. pp): (9,4) 45%
U6 (10–12 Mon. pp): (0,2) 13%

Weißenborn et al., 2009 [18]

Geburtsjahr: 2006

Querschnittserhebung in den ersten Tagen nach der Geburt

4 287

Berlin

Stillen in den ersten Tagen nach der Geburt

(Volles) Stillen zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Klinik bzw. dem Geburtshaus: (70,5) 96%

Lüttmann, 2007 [19]
QuaSti 1

Geburtsjahre: 2005/06

retrospektiv; mittleres Alter zum Zeitpunkt der Erhebung: 17,9 Wochen

403 Säuglinge

1 (babyfreundlich zertifizierte) Geburtsklinik in Hamburg

Stillverhalten und Einflussfaktoren auf das Stillen

zu Beginn gestillt: 97%
(volles) Stillen:
1 Woche pp: (92) 94%
1 Monat pp: (85) 90%
2 Monate pp: (81) 88%
3 Monate pp: (75) 82%
4 Monate pp: (71) 79%
5 Monate pp: (51) 73%

Jöllenbeck et al., 2012 [20]
QuaSti 2

Erhebung: 2007/08
Geburtsjahre: 2005/06

retrospektiv Folgeerhebung zu QuaSti 1

297 Säuglinge, die in QuaSti 1 gestillt wurden

1 (babyfreundlich zertifizierte) Geburtsklinik in Hamburg

Verlauf des Stillens; Erfassung der Einflussfaktoren auf das Stillverhalten

6 Monate pp: (55) 82%
7 Monate pp: (27) 72%
8 Monate pp: (13) 65%
9 Monate pp: (9) 52%
10 Monate pp: (5) 42%
11 Monate pp: (3) 32%
12 Monate pp: (2) 28%

Jöllenbeck et al., 2012 [20]
QuaSti 3
QuaSti 4

Geburtsjahre: 2008/09

retrospektiv, mittleres Alter der Kinder zum Zeitpunkt der Erhebung: 19,4 Wochen (QuaSti 3)
20,9 Wochen (QuaSti 4)

QuaSti 3: N=345
QuaSti 4: N=264

2 Kliniken in Schleswig-Holstein

Stillfrequenz, einschließlich Stillintensitäten und Einflussfaktoren

QuaSti 3: gestillt: 90,7%
(volles) Stillen:
1 Woche pp: (81) 88%
1 Monat pp: (75) 79%
2 Monate pp: (65) 70%
3 Monate pp: (55) 60%
4 Monate pp: (50) 55%
5 Monate pp: (45) 55%
QuaSti 4: gestillt: 96,5%
(volles) Stillen:
1 Woche pp: (92) 95%
1 Monat pp: (82) 89%
2 Monate pp: (75) 80%
3 Monate pp: (65) 68%
4 Monate pp: (60) 62%
5 Monate pp: (55) 58%

Gesundheitsamt Bremen, 2013 [21]

Geburtsjahre: 2009/10

retrospektiv

871 Säuglinge; Alter zum Zeitpunkt der Erhebung: 10–12 Monate

Bremen und Bremerhaven

Stillen im ersten Lebensjahr

(voll) gestillt: (82) 90%
<1 Monat: (4,8) 5,2%
<2 Monate: (5,3) 4,5%
<3 Monate: (6,1) 4,8%
<4 Monate: (6,9) 4,9%
<5 Monate: (10,2) 3,3%
<6 Monate (24,1) 8,5%
<7 Monate (16,2) 7,6%
<8 Monate (5,2) 6,4%
<9 Monate (2,0) 5,2%
<10 Monate (1,0) 4,7%
<11 Monate (?) 3,1%
<12 Monate (0,1) 1,8%
≥12 Monate (8,7) 27,7%

LGL Bayern, 2011 [22]

Geburtsjahre: 2009/10

prospektiv: 2–6 Tage nach der Geburt sowie 2 und 4 Monate nach der Geburt des Kindes

604

10 Kliniken in Niederbayern (Stella 2009)

Stillfrequenz und Stillintensitäten nach vorheriger Intervention (Schulung von Klinikmitarbeitern und freien Hebammen zu Themen rund um das Stillen)

zu Beginn gestillt: 74%
(Volles) Stillen:
1 Woche pp: (60) 74%
2 Monate pp: (53) 62%
4 Monate pp: (51) 60%

Schoetzau et al., 2002 [23]

Geburtsjahre: 1995–1998

prospektive wöchentliche Aufzeichnung der Ernährungsweise des Säuglings (durch die Mutter) in den ersten 24 Wochen

1 121 Säuglinge mit erhöhtem Allergierisiko

16 Geburtskliniken in der Umgebung von München (Bayern) und Wesel (NRW)

gestillt: 77,2%
Vollstillen:>6 Monate: 37,6%

Laubereau et al., 2004 [24]

Geburtsjahre: 1995–1998

prospektiv: 0–3 Jahre

3 903

München, Wesel

Identifizierung von Risikofaktoren und Möglichkeiten der Prävention von allergischen Erkrankungen

zu Beginn gestillt: 86,6%
Vollstillen:
4 Monate: 52%

Libuda et al., 2013 [25]

Erhebung: 2010
Geburtsjahre:
2007–2010

retrospektive online- Verbraucherbefragung (Kantar Health GmbH, Munich, Germany) im Rahmen der PINGU-Interventionsstudie)

985 Säuglinge/Kleinkinder; Alter: 5–36 Monate

bundesweit

Stillhäufigkeit und DHA-Supplementierung im ersten Lebensjahr

gestillt: 78,3%
ausschließliches Stillen:
4 Monate: 55,6%

Langnäse et al., 2003 [26]

Erhebung: 1996–1998
Geburtsjahre: 1989–1993

retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

1 326 Kinder
Alter: 5–7 Jahre

Einfluss von sozioökonomischem Status, elterlichem BMI, des Geburtsgewicht, Stillen und BMI im Alter von 1 und 2 Jahren auf BMI im Alter von 5–7 Jahren

gestillt: 87,1%
≤6 Monate: 47,6
>6 Monate: 39,5

Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, 2014 [27]

Erhebung: 1991–2014
Geburtsjahre: 1985–2008

Querschnittstudie; retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

N=?
Alter: 6 Jahre

Sachsen-Anhalt

Gesundheit zum Zeitpunkt der Einschulung

gestillt:
1985–2008: 88%
2004: 84,2%
≥3 Monate voll gestillt:
2008: 45,6%

Lange et al., 2007 [28]

Erhebung: 2003–2006
Geburtsjahre:
1986–2006

retrospektiv

17,197
Alter der Kinder zum Zeitpunkt der Erhebung: 0–17 Jahre

bundesweit; 167 Studienorte

Stillfrequenz und -dauer sowie Einflussfaktoren auf Stillverhalten

Stillen insgesamt:
19901993
2 Monate pp: 88%
4 Monate pp: 58%
6 Monate pp: 38%
19941997
2 Monate pp: 86%
4 Monate pp: 62%
6 Monate pp: 40%
19982001
2 Monate pp: 88%
4 Monate pp: 68%
6 Monate pp: 48%
20022006
2 Monate pp: 83%
4 Monate pp: 59%
6 Monate pp: 40%
6 Monate voll gestillt:
1990–30%
1991–32%
1992–34%
1993–34%
1994–34%
1995–38%
1996–40%
1997–42%
1998–44%
1999–48%
2000–47%
2001–46%
2002–45,5%
2003–45%
2004–40%
2005–33%

von der Lippe et al., 2014 [29]

Erhebung: 2009–2012
Geburtsjahre:
2002–2012

retrospektiv; Alter zum Zeitpunkt der Erhebung: 0–6 Jahre

1996–2002: 4 377
2002–2012: 4 376

bundesweit: 167 Studienorte

Stillfrequenz und -dauer sowie Einflussfaktoren auf Stillverhalten
Vergleich mit Stillen in den Jahren 1996–2002)

2002–2012: jemals gestillt: 82%
≤4 Monate voll gestillt: 48%
≥6 Monate voll gestillt: 18%
durchschnittliche Stilldauer: 7,5 Monate
1996–2002: jemals gestillt: 78%
durchschnittliche Stilldauer: 7,7 Monate

Foterek et al., 2014 [30]

2004–2012

Analyse von Daten der DONALD-Studie (offene Kohorte); prospektive Befragung: 3, 6, 9, 12 und 18 Monate pp

344 Säuglinge/Kleinkinder

Dortmund

Untersuchung des Stillverhaltens und der Beikosteinführung sowie -zubereitung

gestillt: 96,2%
Stillen insgesamt:
4 Monate pp: 79,1%
6 Monate pp: 70,8%
9 Monate pp: 43,3%
12 Monate pp: 20,8%
18 Monate pp: 8,3%
24 Monate pp: 2,3%
Vollstillen:
1 Monat pp: 78%
2 Monate pp: 75%
3 Monate pp: 70%
4 Monate pp: 60,5%
5 Monate pp: 45%
6 Monate pp: 24,5%
7 Monate pp: 2 %

Hilbig, 2005 [31]

Geburtsjahre:
1989– 1999

offene Kohortenstudie; prospektive Befragung im Alter von 3, 6, 9 und 12 Monaten

2 163 Ernährungs-Wiege-Protokolle von 556 Säuglingen/Kleinkindern (im Mittel 3,9 Protokolle/Proband)

Dortmund

Untersuchung von Trends in der Ernährung im Säuglings- u. Kleinkindalter

(voll) gestillt:
3 Monate: (50) 61,7%
6 Monate: (6) 48%
9 Monate: (0) 17,2%
12 Monate: (0) 5,7%

Danielzik et al., 2004 [32]

Erhebung: 1996–2001
Geburtsjahre: 1989–1996

retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

4 997 Kinder; Alter: 5–7 Jahre

Kiel

Einfluss von sozioökonomischem Status, elterlichem BMI, Geburtsgewicht, Stillen und BMI im Alter von 1 und 2 Jahren auf BMI im Alter von 5–7 Jahren

gestillt: 85,5%
1–3 Monate: 25,2%
3–6 Monate: 29,6%
>6 Monate: 30%

Hunseberger et al., 2012 [33]

Erhebung: 2007/08
Geburtsjahre: 1999–2005

retrospektiv

1 824 Kinder
Alter: 2–9 Jahre

europäische Multizentrumsstudie (IDEFICS) in 8 Ländern, einschl. Deutschland

Einfluss des ausschließlichen Stillens (und der Dauer) auf das Risiko für Übergewicht

gestillt: 87,7%
Stillraten – in Bezug auf die gestillten Kinder:
1–3 Monate: 44,3%
4–6 Monate: 37,2%
7–12 Monate: 6,2%
Stillraten – in Bezug auf die Gesamtgruppe:
1–3 Monate: 38,9%
4–6 Monate: 32,6%
7–12 Monate: 5,4%
volles Stillen (Median): 3 Monate

von Kries et al., 1999 [34]

Erhebung: 1997
Geburtsjahr: 1991/92

retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

9 206 Kinder; Alter: 5–6 Jahre

Bayern

Einfluss des Stillens auf das Risiko für Übergewicht und Adipositas zum Zeitpunkt des Schulbeginns

gestillt: 56,3%
volles Stillen – in Bezug auf die gestillten Kinder:
≤2 Monate: 40,7%
3–5 Monate: 40,1%
6–12 Monate: 16,8%
>12 Monate: 2,4%
volles Stillen – in Bezug auf die Gesamtgruppe:
≤2 Monate: 22,9%
3–5 Monate: 22,6%
6–12 Monate: 9,5%
>12 Monate: 1,4%

Kalies et al., 2005 [35]

Geburtsjahre: 11/1997– 01/1999

prospektiv, von Geburt bis zum Alter von 1 Jahr monatliche Datenerhebung

2 624

14 Geburtskliniken in München, Leipzig, Wesel, Bad Honnef

Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Stillen und Stilldauer und der Gewichtszunahme in den ersten 2 Jahren

volles Stillen:
≤1 Monat: 24,4%
2–3 Monate: 16,3%
4–5 Monate: 20,8%
≥6 Monate: 38,6%

Rothenbacher et al., 2002 [36]

Erhebung: 1997
Geburtsjahr: 1991

retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

946 Kinder; Alter: 5,9 Jahre

Ulm

Zusammenhang zwischen Stillverhalten und Helicobacter pylori-Infektion

gestillt: 82,5%
Stillen insgesamt:
<3 Monate: 23,9%
3–6 Monate: 21,9%
≥6 Monate: 36,7%
volles Stillen:
<3 Monate: 33,1%
3–6 Monate: 31,4%
6 Monate: 17%

Rothenbacher et al., 2005 [37]

Geburtsjahre:
2000/01

Querschnitt:
<5 Tage nach der Geburt sowie retrospektive Folgeerhebungen nach 6 Wochen und nach 6, 12 und 24 Monaten

1 066 Säuglinge/Kleinkinder

Ulm

Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Stillverhalten und sCD14-Konzentration in Muttermilch auf atopische Dermatitis und Asthma bei Kindern in den ersten 2 Lebensjahren

(voll) gestillt: zu Beginn: (88,3) 90,5%
Stillen insgesamt:
<3 Monate: 11,3%
3 bis<6 Monate: 16,3%
6 bis<9 Monate: 23,7%
≥9 Monate: 39,2%
Volles Stillen:
<<3 Monate: 16,7%
3 bis<6 Monate: 33,1%
≥6 Monate: 38,5%

Weyermann et al., 2006 [38]

Geburtsjahre: 2000/01

Querschnitt:
<5 Tage nach der Geburt und retrospektive Folgeerhebungen nach 12 und 24 Monaten

875 Säuglinge

Ulm

Zusammenhang zwischen Stillverhalten und Übergewicht im Alter von 2 Jahren

(volles) Stillen:
zu Beginn: (78,6) 91,1%
Stillen insgesamt:
<3 Monate: 12,4%
3-<6 Monate: 16,1%
6-<9 Monate: 24,2%
>9 Monate: 38,1%
Volles Stillen:
<3 Monate: 17,4%
3-<6 Monate: 32,4%
≥6 Monate: 37,7%

Hummel at al., 2009 [39]

Geburtsjahre:
1989–2000

im Rahmen der BABYDIAB-Studie:
retrospektiv im Alter von 9 und 24 Monaten

1 214 Kinder von Eltern mit Diabetes Typ 1, davon 783, deren Mutter Diabetes Typ 1 hatte; Alter:<3 Jahre

bundesweit

Einfluss von Geburtsgewicht, Stillen, Alter der Mutter und Rauchen während der Schwangerschaft auf Übergewicht der Kinder von Diabetes Typ 1-Patientinnen

gestillt: 79,4%
<1 Monat: 4,7%
1–3 Monate: 14,5%
3–6 Monate: 21,2%
>6 Monate: 32,6%
ausschließliches/Vollstillen:
≤4 Monate: 41,5%
>4 Monate: 33,1%
mediane Stilldauer:
insgesamt:16 (3–32) Wochen
voll: 9 (0–21) Wochen

Rapp et al., 2005 [40]

Geburtsjahr: 2002

Querschnittstudie; retrospektiv; im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen

2 140 Kinder
Alter: 6 Jahre

Stuttgart

Untersuchung des Einflusses der Kindergarten-Betreuung (Mahlzeitenverzehr) und anderer Faktoren auf die Entwicklung von Übergewicht im Kindesalter

volles Stillen bei Kindern deutscher/nicht-deutscher Eltern:
<2 Monate: 26,5%/33,5%
2–4 Monate: 23%/27,5%
5–6 Monate: 34,2%/20%
>6 Monate: 16,4%/19,5%

pp=post partum bzw. nach der Geburt


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Daten zum Stillverhalten

Die vorliegenden Daten zeigen, dass von den 1990–2012 geborenen Säuglingen zwischen 72 und 97% nach der Geburt gestillt wurden, wobei die Daten in Abhängigkeit von der Studienregion und -methode, nicht jedoch vom Geburts- oder Erhebungsjahr, variieren ([Tab. 1]). Im Alter von 2 Monaten wurden in den 1990er Jahren je nach Studie zwischen 45 und 88% und in den 2000er Jahren zwischen 62 und 88% der Säuglinge gestillt ([Abb. 1]). Daten über volles Stillen im Alter von 2 Monaten liegen für die 1990er Jahre nur aus der SuSe-Studie vor, in der 1997/98 eine Rate von 59% ermittelt wurde [6]. In den 2000er Jahren wurden im Alter von 2 Monaten Vollstillraten zwischen 53 und 81% ermittelt ([Abb. 1]).

Im Alter von 4 Monaten wurden je nach Studie zwischen 35 und 79% der Säuglinge gestillt ([Abb. 2]). Daten zum vollen Stillen wurden für diese Altersstufe erstmals im Rahmen der SuSe-Studie 1997/98 erhoben; damals lag die Rate bei 44% [6]. In den 2000er Jahren lagen die Vollstillraten zwischen 46,5 und 71%, wobei die niedrigste und die höchste Rate jeweils für denselben Geburtsjahrgang (2005/06) ermittelt wurde – in Berlin im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen in einer unselektierten Studiengruppe (46,5%) [8] und in Hamburg (71%) bei Mutter-Kind-Paaren, die in einer babyfreundlichen Klinik entbunden und rekrutiert worden waren [19] ([Abb. 2]).

Im Alter von 6 Monaten wurden bei den in den 1990er Jahren geborenen Säuglingen Gesamt- und Vollstillraten zwischen 20 und 54% bzw. zwischen 11 und 48% ermittelt und bei den in den 2000er Jahren geborenen zwischen 40 und 82% bzw. zwischen 17 und 55% ([Abb. 3], [4]).

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Abb. 4 Jegliches Stillen im Alter von 6 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).

Aus den vorliegenden Daten lassen sich in keiner Altersgruppe eindeutige Veränderungen der Gesamt- oder Vollstillraten über die Zeit erkennen. Einzig in der DONALD Studie wurden im Zeitraum 1990–2013 signifikant positive Zeittrends für jegliches Stillen im Alter von 3 und 6 Monaten nachgewiesen. Für volles Stillen waren nur im Zeitraum 1990–2001 positive Trends zu sehen, im Zeitraum 2002–2013 stagnierten die Stillraten im Alter von 3 Monaten und waren im Alter von 6 Monaten tendenziell rückläufig (Libuda et al., under review).


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Diskussion

In den vergangenen 2 Jahrzehnten wurde in Deutschland eine Vielzahl von Studien durchgeführt, in denen mit primärer oder sekundärer Zielsetzung Daten zum Stillen erhoben wurden. Somit besteht grundsätzlich Interesse an Untersuchungen zum Stillverhalten. Jedoch mangelt es an einer Standardisierung der Erhebungsmethoden, so dass die Daten nur schwer vergleichbar sind. Es lässt sich daher nicht zuverlässig beurteilen, ob fehlende Anzeichen für einen Anstieg der Stillraten real oder methodisch bedingt sind. So wurden in den meisten retrospektiven [11] [15] [25] [26] [32] [33] [34] [36] [39] im Vergleich zu den zuletzt häufigeren prospektiven Erhebungen [6] [7] [8] [12] [16] [17] [24] [30] niedrigere initiale Stillraten ermittelt. Dies kann zum einen mit den in prospektiven Studien meist strengen Einschlusskriterien (ausschließlich gesunde, reif geborene und normalgewichtige Säuglinge) erklärt werden. Zum anderen ist der Anteil nicht gestillter Säuglinge in prospektiven Studien oft bereits zu Beginn niedriger, weil diejenigen, die nicht oder nur kurze Zeit stillen (wollen), schwerer zur Teilnahme zu motivieren sind. Bei den Vollstillraten liegen die prospektiv erhobenen Raten niedriger als die retrospektiv erhobenen. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Stillintensität (insbesondere das ausschließliche Stillen) in retrospektiven Erhebungen häufig überschätzt wird, während es selbst nach Jahren noch möglich ist, relativ zuverlässige Angaben über die Zahl der „jemals gestillten“ Säuglinge und die Gesamtstilldauer zu erheben [41] [42] [43] [44] [45].

Eine weitere Erklärung für die beobachteten Unterschiede bei den für dieselben Geburtsjahrgänge erhobenen Daten sind ungleiche Rahmenbedingungen bei der Studiendurchführung, wie zum Beispiel regionale und soziale bzw. soziokulturelle Besonderheiten. Dies zeigte sich z. B. in Bayern, wo im Rahmen der bayerischen Stillstudie 2005/06 insgesamt etwa 90% der Wöchnerinnen mit dem Stillen begonnen hatten, während in Niederbayern zur selben Zeit sowie auch in der so genannten STELLA-Studie im Jahr 2009/10 nur 74% der Säuglinge zu Beginn gestillt wurden [7] [22]. Die aktuellere STELLA-Studie in Niederbayern war dabei sogar im Anschluss an Schulungen von Klinikpersonal zum Stillen durchgeführt worden [46]. Somit lässt sich feststellen, dass die Personalschulungen in den Kliniken keinen direkten Effekt auf die initialen Stillraten hatten. Allerdings muss einschränkend gesagt werden, dass in der Studienregion von 2005/06 bis 2009/10 mehr Kaiserschnitte und kürzere Klinikaufenthalte nach der Geburt zu verzeichnen waren (U. Schwegler, pers. Mitteilung), die sich zusätzlich negativ auf die initialen Stillraten ausgewirkt haben könnten. Ein anderes Beispiel für einen Einfluss der Rahmenbedingungen auf die ermittelten Stillraten ist die so genannte QuaSti-Studie, in der insbesondere im Alter von 4 und 6 Monaten im Vergleich zu anderen Studien die höchsten (Voll-)Stillraten erreicht wurden [19] [20]. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die hier untersuchten Mutter-Kind-Paare in einer als babyfreundlich zertifizierten Hamburger Klinik rekrutiert und betreut wurden.

Interessant ist, dass etwa ein Drittel der vorliegenden Stilldaten im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen erhoben worden waren. Dabei lagen die Stillzeiten mindestens 5 Jahre zurück. Da die Schuleingangsuntersuchungen jedoch in Deutschland etabliert sind und regelmäßig durchgeführt werden, wären sie ohne großen Aufwand für ein Monitoring des Stillverhaltens nutzbar.

Trotz der eingeschränkten Vergleichbarkeit bestätigen die verfügbaren Daten den Eindruck aus bisherigen prospektiven Studien [6] [7] [8] [17], wonach trotz hoher initialer Stillraten innerhalb der ersten 2 Monate der stärkste Abfall der (Voll-)Stillraten zu verzeichnen ist und bis zum Alter von 6 Monaten nur noch etwa 50% der Säuglinge insgesamt gestillt werden. Anhand der Daten lassen sich weder für das Stillen zu Beginn noch für die betrachteten Altersstufen zeitliche Verläufe erkennen. Lediglich im Alter von 6 Monaten scheint sich ein leicht positiver Trend in der Entwicklung der Gesamtstillraten anzudeuten. Da jedoch für diese Altersstufe nur relativ wenige Daten zum Gesamtstillen vorliegen, bleibt abzuwarten, ob dieser Trend durch weitere Studien bestätigt wird. Auffallend viele Daten liegen zum vollen Stillen im Alter von 6 Monaten vor. Allerdings variieren diese so stark wie in sonst keiner Altersgruppe, so dass sich auch aus diesen Daten kein eindeutiger Trend ablesen lässt. Nimmt man die Daten der DONALD Studie mit der gebotenen Vorsicht aufgrund des lokalen Charakters und des überdurchschnittlichen formalen Bildungsniveaus der Mütter hilfsweise als ‚Monitor‘, dann zeichnet sich in den letzten 10 Jahren für das volle Stillen eine Stagnation, wenn nicht sogar ein abnehmender Trend ab. Wenn Mütter aus höheren sozialen Schichten beim Stillen als Trendsetter wirken, stimmen diese Ergebnisse bedenklich. Sie belegen auch die Bedeutung und Notwendigkeit der im Europäischen Aktionsplan zum Stillen formulierten Maßnahmen zur Stillförderung für Deutschland. Dazu zählen z. B. die Sicherstellung einer sachkundigen Betreuung und Anleitung von Müttern zum Stillen, der Ausbau Früher Hilfen, die verstärkte Unterstützung von berufstätigen Müttern und deren Familien sowie die Verbesserung der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Fachpersonal zum Stillen [47].


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Schlussfolgerung

Zusammenfassend deuten die verfügbaren Daten darauf hin, dass seit Beginn der 1990er Jahre relativ konstant zwischen 70 und etwa 90% der Mütter in Deutschland zu stillen beginnen, aber nach wie vor ein rapider Abfall der Stillraten innerhalb der ersten 2 Monate zu verzeichnen ist, so dass nur etwa 50% der Säuglinge mit 6 Monaten noch gestillt werden. Anhand der über 2 Jahrzehnte ermittelten (Voll-)Stillraten lässt sich kein klarer zeitlicher Trend ablesen. In lokalen Längsschnittdaten deutet sich allerdings eine Stagnation oder sogar ein abnehmender Trend beim vollen Stillen in den letzten 10 Jahren an. Die bisherige Arbeit der NSK und die Stillförderung durch einschlägige (Berufs-)Gruppen in Deutschland scheinen somit keinen messbaren Effekt auf das Stillverhalten gehabt zu haben. Daher sind in Deutschland künftig verstärkt Stillfördermaßnahmen, auch unter Berücksichtigung von besonders bedürftigen Gruppen, notwendig.

Einschränkend muss angemerkt werden, dass angesichts der dargestellten heterogenen Erhebungsbedingungen auf der Basis der verfügbaren Daten keine zuverlässige Einschätzung der Entwicklung des Stillverhaltens möglich ist. Auch in anderen europäischen Ländern fehlt es zum Teil an systematisch erhobenen Stilldaten [47] [48]. Daher war eine der Schlussfolgerungen aus dem EU-Projekt zur „Förderung des Stillens in Europa”, dass ein EU-weites Monitoring zur Erhebung von standardisierten Daten über das Stillverhalten dringend erforderlich ist, wobei die Verantwortung dafür bei den europäischen Mitgliedsstaaten liegt [47]. Mit Blick auf die dargestellten Defizite erscheint die Errichtung eines effizienten standardisierten Stillmonitorings in Deutschland unverzichtbar. Wie in dem 2009 von der NSK veröffentlichten Konzept dargelegt, könnten in Geburtskliniken und -häusern systematische, flächendeckende Datenerhebungen über den Stillbeginn durchgeführt werden, während das Stillverhalten im ersten Lebensjahr prospektiv im Rahmen der Kinderfrüherkennungsuntersuchungen oder retrospektiv im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen erhoben werden könnte. Dazu müssten die Stilldatenerhebungen fester Bestandteil dieser Untersuchungen werden und eine zentrale Datenverarbeitung und -auswertung sichergestellt werden. Darüber hinaus sollten in regelmäßigen Abständen qualitative Datenerhebungen zur Ermittlung von Einflussfaktoren auf das Stillen durchgeführt werden, damit die Wirksamkeit von Stillfördermaßnahmen zuverlässig bewertet und auf Misserfolge mit gezielten Maßnahmen reagiert werden kann [5] [8].


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Interessenkonflikt:

Die Autoren Abou-Dakn, Bergmann, Both, Gresens, Hahn, Kersting, Koletzko, Krawinkel, Kroll, Rouw, Scheele, Schwegler, Sievers, Sporleder, Springer, Vetter und Wöckel sind oder waren in den letzten 3 Jahren Mitglieder der Nationalen Stillkommission und sind teilweise Mitglieder in Verbänden, die Stillförderung als Ziel haben (siehe Auflistung unter Affiliations/Institute).


Korrespondenzadresse

Dr. rer. medic. Anke Weissenborn
Bundesinstitut für Risikobewertung
Lebensmittelsicherheit
Max-Dohrn-Straße 8-10
10589 Berlin


  
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Abb. 1 Stillraten im Alter von 2 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).
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Abb. 2 Stillraten im Alter von 4 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).
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Abb. 3 Volles Stillen im Alter von 6 Monaten (Geburtsjahrgänge 1990–2009/10).
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Abb. 4 Jegliches Stillen im Alter von 6 Monaten (Geburtsjahrgänge 1989/90–2009/10).