Laryngorhinootologie 2016; 95(10): 694-701
DOI: 10.1055/s-0042-102456
Originalie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lärmschwerhörigkeit (BK-Nr. 2301) – Eine retrospektive Analyse von 100 konsekutiven Fällen

Occupational Hearing Loss (BK-No. 2301) – A Retrospective Analysis of 100 Consecutive Cases
R. Reiter
1  Sektion Phoniatrie, HNO, Univ.-Klinik Ulm
,
S. Brosch
2  Sektion für Phoniatrie & Pädaudiologie, UNI HNO-Klinik, Ulm
› Author Affiliations
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Publication History

eingereicht 06 October 2015

akzeptiert 03 February 2016

Publication Date:
04 April 2016 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Bei der Begutachtung einer Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit nach Nr. 2301 muss überprüft werden, ob die berufliche Lärmexposition die wesentliche Ursache für die Schwerhörigkeit darstellt. Mit dieser Arbeit sollte die Gruppe der zu Begutachtenden, bei der die Voraussetzungen für eine BK-Nr. 2301 vorlagen (BKE), mit denjenigen, die diese nicht erfüllten (BKNE) hinsichtlich des Vorliegens von Charakteristika einer Lärmschwerhörigkeit verglichen werden.

Methode: In einer retrospektiven Analyse von 100 konsekutiven Lärmgutachten der Autoren wurden Audiometrie, Tinnitus, Vorliegen einer adäquaten Lärmexposition, Vor-, Nachschaden, Anwendung von Gehörschutz, und Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) erfasst und die geforderten Charakteristika einer Lärmschwerhörigkeit mit einem maximalen Score von 7-Punkten versehen.

Ergebnisse: Im Gesamtkollektiv erfüllten 67% die Voraussetzungen einer Lärmschwerhörigkeit, und 9% waren entschädigungspflichtig. 82% aus der BKE-Gruppe zeigten bei der aktuellen Begutachtung reintonaudiometrisch typische Merkmale einer Lärmschwerhörigkeit und erfüllten in 75% mindestens 6 Kriterien einer BK-Nr. 2301. Lärmtypischer Tinnitus wurde von gut einem Viertel (26 Personen) angegeben.

Diskussion: Ein 7-Punkte Score kann zukünftig bei der Abgrenzung lärmabhängiger Faktoren bei der Begutachtung der Lärmschwerhörigkeit, ggf. mit Begleittinnitus, hilfreich sein.

Abstract

Introduction: In order for a diagnosis of Occupational Hearing Loss (BK-no. 2301) to be made certain criteria must be fulfilled to establish that the hearing loss is occupational in origin. This work compares 2 groups, those who fulfil the criteria (BKE) and those who do not (BKNE).

Methods: A 100 consecutive reports (“Lärmgutachten BK-no. 2301”) written by the authors were examined retrospectively. These recorded audiometric examination, an analysis of any tinnitus and noise exposure plus use of hearing protection. Pre- and post-noise exposure status together with an expert assessment of work limitations was made to produce a 7 point score.

Results: 67% of the group fulfilled the conditions for occupational hearing loss (9% were entitled to compensation). In the BKE group 82% showed typical audiometric signs of noise damage with 75% of them fulfilling at least 6 criteria of occupational disease no. 2301. Tinnitus typical for noise exposure was found in 26%.

Discussion: A 7 point score could be useful in the future as a method of helping distinguish hearing loss and tinnitus from occupational as opposed to other causes.