Gesundheitswesen 2015; 77(05): 362-367
DOI: 10.1055/s-0034-1377034
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Informationsbedarf zur medizinischen Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung – Ergebnisse eines Online-Surveys mit niedergelassenen Ärzten

Need for Information Concerning Medical Rehabilitation of the Federal German Pension Fund – Findings of an Online Survey of General Practitioners
A. L. Walther
1   Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität zu Lübeck, Lübeck
,
N. J. Pohontsch
2   Institut Für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg
,
R. Deck
1   Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität zu Lübeck, Lübeck
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
15. Juli 2014 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Informationsdefizite und Unsicherheiten, unklare Anforderungen an den Befundbericht und mangelnde Transparenz in der Bewilligungspraxis werden von niedergelassenen Ärzten im Zusammenhang mit der medizinischen Rehabilitation beklagt. In der vorliegenden Studie wurde der konkrete Informationsbedarf von niedergelassenen Ärzten zum Thema medizinische Rehabilitation identifiziert sowie die Präferenz der Informationsgestaltung ermittelt.

Methodik: Mittels einer Sekundäranalyse von mehreren Fokusgruppen mit Kostenträgern, Rehabilitationsklinikern, niedergelassenen Ärzten und Rehabilitanden wurden rehabilitationsspezifische Aspekte, zu denen niedergelassene Ärzte Informationen benötigen könnten, identifiziert und in einen Online-Fragebogen überführt. Niedergelassene Ärzte in Schleswig-Holstein wurden zur Online-Befragung über E-Mail-Verteilerlisten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und Ärztekammer (ÄK), 7 Ärzte- und Praxisnetze ­sowie schriftlich über die Mitteilungsblätter der KV und ÄK zur Teilnahme eingeladen.

Ergebnisse: Insgesamt lagen 194 Fragebögen zur Auswertung vor. Allgemein lässt sich ein sehr ­hoher Informationsbedarf über alle Themenbereiche im Fragebogen feststellen: Der höchste Informationsbedarf besteht bei der Frage, bei welchen Ablehnungsgründen ein Widerspruch sinnvoll sein kann (91,0%), ferner haben die Fragen welche Maßnahmen vor dem Einlegen eines Widerspruchs erfolgen sollten (89,9%) und was „ambulante Maßnahmen ausgeschöpft“ genau bedeutet (87,8%) hohe Priorität. Eine Homepage als Möglichkeit, solche Informationen abzurufen, wird von den niedergelassenen Ärzten deutlich präferiert. Bei der Möglichkeit von Mehrfachantworten bevorzugen 74,2% eine Website, gefolgt von der Möglichkeit einer Broschüre (44,8%) und Weiterbildungsmaßnahmen (22,2%).

Schlussfolgerung: Niedergelassene Ärzte haben an verschiedenen Stellen der medizinischen Rehabilitation einen hohen Informationsbedarf, der durch die zurzeit verfügbaren Informationsquellen nicht gedeckt wird. Die Erstellung und Bereitstellung einer benutzerfreundlichen Website mit verständlichen Informationen zu den gewünschten Aspekten scheint notwendig, um das Verständnis und die Akzeptanz medizinischer Rehabilitation unter niedergelassenen Ärzten zu erhöhen und somit die damit zusammenhängenden Prozesse zu optimieren.

Abstract

Aim: General practitioners complain about information deficits, uncertainties and unclear requirements associated with medical rehabilitation. In this study General practitioners’ specific information needs are identified and the preferred form for the presentation of information is determined.

Methods: In a secondary analysis of several focus groups with different stakeholders, rehabilita­tion specific aspects were identified for which General practitioners could have further information needs. Those were transferred into an online-questionnaire. GPs in Schleswig-Holstein were invited to the online-survey via E-Mail by different medical associations.

Results: A total of 194 questionnaires were available for analysis. In general, high informa­tion needs covering all rehabilitation topics in the questionnaire are evident. The highest information need is recognised for the following aspects: in which cases it makes sense to file an objection, which measures have to take place before it makes sense to file an objection and what the term “ambulant measures have been exhausted” exactly means. GPs clearly prefer a website as a means of informational source. Under the option of multiple replies 74.2% prefer a website, followed by the option of a brochure (44.8%) and further education (22.2%).

Conclusion: General practitioners have high information needs regarding different aspects of rehabilitation which are not satisfied with existing sources of information. The development of a user-friendly website with comprehensible information on the required aspects seems necessary to increase the acceptance and understanding of medical rehabilitation among practitioners and therefore to optimise rehabilitation processes.