Gesundheitswesen 2015; 77(07): 481-487
DOI: 10.1055/s-0035-1550021
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Kindergemeinschaftseinrichtungen – Gesetzliche Grundlagen, Überwachungspraxis und Erfahrungen der Gesundheitsämter

Hygiene and Infection Prevention in Medical Institutions, Kindergartens and Schools – Statutory Basis, Infection Control Practice and Experiences of the Public Health Services
U. Heudorf
1   Gesundheitsamt Frankfurt
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. Juli 2015 (online)

Zusammenfassung

Eine zentrale Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes ist die Infektionsprävention in der Bevölkerung. Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet alle Einrichtungen und Behörden zur Zusammenarbeit und betont die Eigenverantwortung der Einrichtungen und des Einzelnen im Hinblick auf die Prävention von Infektionen. Es legt im Weiteren Pflichten der Leiter der medizinischen Einrichtungen sowie der Kindergemeinschafts-Einrichtungen fest und verpflichtet die Gesundheitsämter zur infektionshygienischen Überwachung dieser Einrichtungen.

Für die medizinischen Einrichtungen wurden die fachlichen Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention KRINKO gesetzlich verankert und die Bundesländer zum Erlass von Krankenhaus-Hygieneverordnungen verpflichtet. Für den Bereich der Schulen und Kindergärten fehlen vergleichbare fachliche Empfehlungen und verbindliche Verordnungen.

Anhand der Erfahrungen der Gesundheitsämter bei der infektionshygienischen Kontrolle kann eine deutliche Verbesserung der Hygiene der medizinischen Einrichtungen in den letzten Jahren gezeigt werden. In Schulen hingegen ist weiterhin meist eine mangelhafte Hygiene (insbesondere Sanitär- und Raumlufthygiene) zu konstatieren und eine Besserung ist nicht sichtbar. Die Wahrnehmung der Eigenverantwortung für die Hygiene ist in Schulen – im Gegensatz zu medizinischen Einrichtungen – in der Regel nicht erkennbar.

Mögliche Ursachen für die schlechte Verhaltensprävention (insbesondere Händehygiene und Lüftung) und die verbesserungswürdige Verhältnisprävention (u. a. Sanitärbereiche, Reinigung) werden diskutiert. Ohne eine Rückbesinnung auf das nahezu in Vergessenheit geratene Fachgebiet der Schulhygiene, verbindliche Empfehlungen und die Wahrnehmung der Eigenverantwortung auch der Schulen selbst wird eine nachhaltige Verbesserung der Hygiene in Schulen nicht zu erreichen sein.

Abstract

Infection prevention is one of the main tasks of the public health services. The “Protection against infection act” places all medical institutions and facilities for children (kindergartens and schools) under the obligation to assume responsibility and to cooperate. Duties of the institutions are described, and public health services are obliged to perform hygiene control visits.

Regarding medical institutions, the guidelines of the German Commission on Hospital Hygiene and Infection Control have to be observed, and the counties were obliged to publish hygiene enactments. Subsequently, good improvements in hygiene management in medical institutions were achieved. In schools, however, severe hygienic problems (i.e. sanitary hygiene, indoor air hygiene) are detected, without any improvement – obviously due to a missing sense of responsibility in the school community.

Causes for poor behaviour prevention (hand hygiene, ventilation) and missing situational prevention (i.e. cleaning) are discussed. Without reversion to the obviously needed but nearly forgotten subject school hygiene, obligatory guidelines and the assuming of responsibility, permanent improvements cannot be achieved.